Öffentlicher Raum kann für politische Bildung mehr als nur Kulisse sein: In Straßen, Plätzen, Parks, Dörfern und Quartieren verdichten sich Konflikte um soziale Ordnung, politische Teilhabe, Sichtbarkeit, Repräsentation und Zugehörigkeit. In der POLIS 1/26 „Stadt. Land. Raum“ gehen Autor*innen der Frage nach, wie solche Aushandlungen didaktisch erschlossen werden können – für Schule und außerschulische Bildung. Die Beiträge verbinden raumtheoretische Perspektiven mit praxiserprobten Zugängen: aufsuchende Bildungsarbeit, Stadterkundungen, Kartieren, Audiowalks und Formate, die Demokratie im Alltag erfahrbar machen. Ergänzt wird der Schwerpunkt durch ein Forum zu zivilgesellschaftlichen Lernorten sowie eine Didaktische Werkstatt mit Materialien, Methoden und Transferideen für Unterricht, Projekttage und Exkursionen.
Verantwortliche POLIS-Redakteure: Dr. Oliver Emde & JProf. Dr. Steve Kenner
Hannah Schilling: Öffentliche Räume als Orte politischen Lernens
Annette Wallentin, Anja Witzel: Politik „en passant“: Aufsuchende politische Bildung im Stadtraum
David Jugel: Brückenräume, Rucksackveranstaltungen und Entlastungsangebote – Herausforderungen in ländlichen Regionen als Möglichkeitsräume der politischen Bildung
Forum: Tanja Berg im Gespräch mit POLIS-Redakteur Steve Kenner: Politische Bildung ist keine Feuerwehr! Aber ist die Feuerwehr ein Raum politischer (Selbst-)Bildung?
Didaktische Werkstatt: Politische Bildung im (öffentlichen) Raum: Methoden, Formate, Angebote!
„Soziale Ungleichheit(en) in der Demokratie und der politischen Bildung“
Das Programm der DVPB-Herbsttagung 2026 steht und die Anmeldung ist eröffnet. Bis 12. Oktober 2026 ist die Anmeldung möglich. Eine Tagungsgebühr fällt nicht an.
Auf der diesjährigen Herbsttagung der DVPB vom 19. bis 21. November 2026 soll die Thematik der sozialen Ungleichheit mit ihren Auswirkungen auf die Demokratie und politische Bildung diskutiert werden. Dabei geht es u.a. darum, danach zu fragen, inwiefern das gegenwärtige Wirtschaftssystem nicht nur von Ungleichheit geprägt, sondern auch auf sie angewiesen ist, d.h. ob Ungleichheit ein „Nebeneffekt“ oder eine funktionale Notwendigkeit ist oder noch weitere Funktionen erfüllt.
Politische Bildung erreicht oft genau diejenigen nicht, die am stärksten von Ungleichheit betroffen sind und verstärkt so bestehende Asymmetrien: Wer viel politische Bildung erfährt, nimmt auch Angebote der politischen Bildung wahr. Wer lange im Schulsystem verweilt und Abitur macht, erhält in der Regel viel mehr politische Bildung als Personen, die die Oberstufe nicht besuchen.
Programm
Ungleichheit beeinflusst zudem den Zugang zu politischer Bildung. In der außerschulischen politischen Bildung im Speziellen und der Jugendarbeit im Allgemeinen gibt es oft höhere Zugangshürden, als es das Selbstverständnis der Akteur:innen und der Institutionen vermuten lässt. Auch hier regelt die ungleiche Verteilung an Ressourcen den Zugang (zumindest mit). Verschiedene Ansätze der politischen Bildung versuchen dies zu berücksichtigen und Angebote für bestimmte Zielgruppen anzubieten, die Zielgruppen aufzusuchen oder mit Methoden und Konzepten zu arbeiten, die bestimmte Zielgruppen in ihrem Politikbegriff zu erreichen versuchen. Auch diese sollen Thema der Tagung werden.
Es existiert ein Hotelzimmerkontingent im Amedia-Hotel Siegen (bis 29.09.2026, Stichwort: „DVPB Herbsttagung“). Weitere tagungsnahe Unterkünfte:
Holiday Inn
ADAPT Apartment Hotel
Concorde Hotel
Wir bitten um Selbstbuchung der Unterkünfte durch alle Teilnehmenden. Die Kosten werden für Vortragende erstattet, bei Teilnehmenden ohne eigenen Beitrag müssen die Kosten selbst getragen werden. Dies gilt auch für Reisekosten. Für die Teilnahme an der Tagung fallen keine Gebühren an.
In der Anmeldung inbegriffen ist für alle Teilnehmenden die Möglichkeit der Teilnahme an einer Stadtführung und dem Buffet am ersten Tagungsabend. Die Kosten für eine Teilnahme am Restaurantbesuch am zweiten Tagungsabend müssen selbst getragen werden.
Fachorganisationen der politischen Bildung nehmen Stellung zum geplanten Umbau
Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) hat umfassende Veränderungen im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ angekündigt. Demnach sollen zum Jahresende 2026 zwei zentrale Programmbereiche – die Förderung bundeszentraler Infrastrukturen sowie die Innovationsprojekte – auslaufen. Der Bundesausschuss Politische Bildung (bap) e.V., die Gemeinsame Initiative der Träger Politischer Jugendbildung (GEMINI) sowie die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) e.V. nehmen dazu im Folgenden Stellung.
Dabei ist klar: Viele der im Programm „Demokratie leben!“ geförderten Träger haben über Jahre hinweg substanzielle Expertise in zentralen Themenfeldern aufgebaut. Mit dem Auslaufen der Förderung droht auch ein erheblicher Verlust an Fachkräften, gewachsenen Netzwerken und tragfähigen Strukturen der politischen Bildung. Auch Mitglieder des bap und der GEMINI sind von diesen Kürzungen unmittelbar betroffen.
Besonders problematisch ist dies mit Blick auf strukturschwächere Regionen, insbesondere in Ostdeutschland, wo zivilgesellschaftliche Initiativen häufig eine tragende Rolle für die demokratische Bildungsarbeit spielen. Fällt die Förderung weg, entstehen in der Folge gerade dort Lücken, wo antidemokratischen Entwicklungen besonders entschieden entgegengewirkt werden müsste. Zugleich sind viele Engagierte, die sich für eine resiliente Bürgergesellschaft einsetzen, Anfeindungen, Bedrohungen und mitunter auch Gewalt ausgesetzt. Das Bundesprogramm muss daher auch künftig gezielt dazu beitragen, diese Akteurinnen und Akteure zu stärken – und insbesondere diejenigen unterstützen, die von Diskriminierung betroffen oder in besonderer Weise gefährdet sind.
Für eine wirksame Weiterentwicklung und Stärkung des Bundesprogramms sind vier zentrale Punkte entscheidend:
Politische Bildung stärker machen Politische Bildung hat bereits einen zentralen Stellenwert im Bundesprogramm “Demokratie leben!”. Vorliegende Evaluationsergebnisse – etwa die wissenschaftliche Begleitung der Modellprojekte im Handlungsfeld Demokratieförderung im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ in der Förderphase 2020 bis 2024 des Deutschen Jugendinstituts1 zeigen, der Großteil der geförderten Träger arbeitet auf der Grundlage von Qualitätsstandards politischer Bildung. Von der Einstellung der Innovationsprojekte sind zahlreiche Träger der politischen Bildung betroffen. Sie leisten mit ihrer Arbeit einen unverzichtbaren Beitrag, um Demokratiedistanz vorzubeugen und demokratische Handlungskompetenzen zu stärken. Sie fördern die Fähigkeit zur Analyse gesellschaftlicher, politischer und ökonomischer Zusammenhänge, die politische Urteilsfähigkeit sowie die Partizipation – kurz: die Befähigung zu Mündigkeit und demokratischer Selbstbestimmung. Diese Kompetenzen sind zentral für eine demokratische Bürgergesellschaft, die auf Engagement, aktive Teilhabe und gesellschaftlichen Zusammenhalt angewiesen ist. Politische Bildung hat dabei einen eigenständigen Bildungswert. Sie geht keinesfalls in Extremismusprävention auf und sie stellt für die Wirksamkeit des Bundesprogramms eine wichtige Ressource dar. Politische Bildung darf nicht funktional auf Prävention verkürzt werden, sondern muss als eigenständiger Zugang strukturell abgesichert und weiterentwickelt werden. Die Expertise der Profession der politischen Bildung muss dabei einen verbindlichen und sichtbaren Platz in der Neuausrichtung des Programms einnehmen.
Evaluation abschließen und mit Fachexpertise weiterentwickeln Im Koalitionsvertrag hat die Bundesregierung eine „unabhängige Überprüfung“ des Bundesprogramms „in Bezug auf Zielerreichung und Wirkung“2 angekündigt und zugleich die Bedeutung „gemeinnütziger Organisationen, engagierter Vereine und zivilgesellschaftlicher Akteure als zentrale Säulen unserer Gesellschaft“ hervorgehoben. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, dass weitreichende Entscheidungen getroffen werden, bevor die vom BMBFSFJ beauftragten Evaluationen abgeschlossen und ausgewertet sind. Dies widerspricht dem eigenen Anspruch, Förderprogramme konsequent an Evaluation und Wirkung auszurichten. Viel wichtiger ist jedoch ein anderer Punkt: Im Rahmen von „Demokratie leben!“ wurden und werden mit erheblichem Aufwand Monitoring- und Evaluationsprozesse umgesetzt. Dabei bleiben die vielfältigen Kompetenzen und bereits vorhandene und bewährte Verfahren der Qualitätssicherung im Praxisfeld der politischen Bildung sowie in den begleitenden Fachwissenschaften bislang weitgehend unberücksichtigt. Wenn die Bundesregierung nun den Anspruch formuliert, die Förderung entlang veränderter Prioritäten neu auszurichten und Programme wirkungsvoller zu gestalten, muss sie diese Expertise systematisch einbeziehen. Eine tragfähige Neuausrichtung des Programms darf nicht nur auf neue Reichweiten setzen, sie muss vielmehr die bereits aufgebaute zivilgesellschaftliche Fachlichkeit als unverzichtbare demokratische Infrastruktur anerkennen, sichern und gezielt einbeziehen. Hinzu kommt: Strenge kausale Wirkungsnachweise im Feld der Demokratieförderung sind strukturell kaum realisierbar. Stattdessen plädiert die Evaluationsforschung für eine gegenstandsangemessene Wirkungsevaluation, die Wirkungen weiterhin prüft, dies aber mit Methoden, die der Komplexität, Offenheit und Kontextabhängigkeit der Praxis gerecht werden. Für „Demokratie leben!“ bedeutet das: Wirkungserwartungen müssen früh geklärt, Evaluation als expliziter und ausreichend ausgestatteter Auftrag verankert und durch vorgelagerte Praxisforschung fundiert werden. So können realistische, lernorientierte und für Praxis wie Politik gleichermaßen nutzbare Aussagen über Wirkungen entstehen. Wir halten es für dringend geboten, die angekündigte Überprüfung des Programms tatsächlich als offene, fachlich transparente und wissenschaftlich ernst genommene Prüfung zu führen. Die Fachverbände der politischen Bildung stehen hierfür als Partner zur Verfügung.
Pluralismus und Subsidiarität als Grundprinzipien verankern Die aktuelle Debatte ist von erkennbaren Irritationen im Verhältnis zwischen Fördergeber und Trägern im Bundesprogramm „Demokratie leben!“ geprägt. Politische Forderungen nach sowie die Umsetzung einer verstärkten Prüfung der geförderten Träger auf ihre Verfassungstreue erwecken den Eindruck eines generellen Misstrauens gegenüber der demokratischen Zivilgesellschaft. Der Umbau des Programms wird politisch unter anderem mit dem Ziel begründet, die „Mitte der Gesellschaft“ besser zu erreichen. Dabei zeigen vorliegende Evaluationen deutlich, dass die geförderten Träger bereits heute in die Breite der Gesellschaft hineinwirken und zugleich spezialisierte Handlungsfelder wie Distanzierungsarbeit oder Beratung abdecken. Voraussetzung hierfür ist eine plural aufgestellte Trägerlandschaft innerhalb des demokratischen Spektrums, die unterschiedliche Zielgruppen und Milieus erreicht. Diese Pluralität gilt es zu sichern und weiter zu stärken. Für das Verhältnis zwischen Staat als Fördergeber und den zivilgesellschaftlichen Trägern sollte das Strukturprinzip der Subsidiarität stärker als bisher leitend sein. Es darf nicht der Eindruck entstehen, dass Träger nach politischen Kriterien ausgewählt werden oder im staatlichen Auftrag handeln. Um dies zu gewährleisten, muss der vom BMBFSFJ formulierte Anspruch auf Transparenz bei Ausschreibung, Auswahl und Mittelvergabe konsequent umgesetzt werden. Nicht zuletzt erfolgt der Umbau vor dem Hintergrund langjähriger Kampagnen gegen das Programm. Politik und zivilgesellschaftliche Akteure sind daher gemeinsam gefordert, Versuchen entgegenzutreten, politische Bildung, Extremismusprävention und Demokratieförderung zu delegitimieren.
„Regelstrukturen“ mit fachlicher Expertise unterstützen Ein angekündigter Schwerpunkt der Neuausrichtung des Programms soll auf der Schule sowie auf sogenannten „Regelstrukturen“ liegen. Hier bedarf es einer Klärung, wie der Bund diese Intervention konkret ausgestalten will – zumal er im föderalen System für die öffentliche Förderung kommunaler und landesbezogener Regelstrukturen nur eingeschränkt zuständig ist. Eine stärkere Einbindung von Vereinen, Verbänden und Schulen ist zwar nicht grundsätzlich abzulehnen. Wer jedoch „leistungsstarke Strukturen“ vor allem über Reichweite definiert, riskiert, die über Jahre aufgebaute fachliche Tiefe zivilgesellschaftlicher Demokratieförderung zugunsten einer Logik institutioneller Anschlussfähigkeit zu entwerten. Schulen können nur profitieren, wenn die Strukturen der außerschulischen Partner erhalten und gestärkt werden. Zugleich sollte ausdrücklich anerkannt werden, dass wirksame Arbeit in Regelstrukturen bereits heute in vielfältiger Weise im Programm „Demokratie leben!“ stattfindet. Einrichtungen wie Kitas, Vereine, Feuerwehren, die berufliche Bildung oder Hochschulen sind in der Regel auf die Expertise und Ressourcen außerschulischer politischer Bildung angewiesen, um qualitätsvolle Angebote der Demokratiebildung entwickeln und umsetzen zu können. Werden Träger, die mit diesen Einrichtungen kooperieren, gekürzt oder Projekte eingestellt, schwächt dies auch die Regelstrukturen selbst. Die Träger der politischen Jugendbildung arbeiten im Rahmen des Kinder- und Jugendplans des Bundes (KJP) seit Jahrzehnten eng mit Schulen zusammen. Ohne ihre systematische Einbindung drohen Qualitätsverluste und Doppelstrukturen – insbesondere im schulischen Bereich. Gleichzeitig müssen die sogenannten Regelstrukturen verlässlich gestärkt werden, etwa durch eine bessere Ausstattung bestehender Förderinstrumente wie des KJP.
Leitlinien für die Neuausrichtung des Programms
Wir sind überzeugt, dass diese vier zentralen Punkte berücksichtigt werden müssen, damit die Neuausrichtung von “Demokratie leben!” zu einer Stärkung und Weiterentwicklung der bestehenden demokratischen Infrastruktur beiträgt:
Politische Bildung stärker machen
Evaluation abschließen und mit Fachexpertise weiterentwickeln
Pluralismus und Subsidiarität als Grundprinzipien verankern
Regelstrukturen mit fachlicher Expertise unterstützen
Für die Ausgestaltung der neuen Förderrichtlinien bedeutet das konkret:
Förderrichtlinien partizipativ entwickeln: Die Förderrichtlinien sind in einem transparenten, partizipativen Verfahren unter Einbeziehung der pluralen Trägerlandschaft und der Fachorganisationen der politischen Bildung zu entwickeln.
Außerschulische politische Bildung systematisch einbinden: Wenn verstärkt über Regelstrukturen gearbeitet werden soll, ist die außerschulische politische Bildung von Beginn an verbindlich in die Programmausgestaltung einzubeziehen.
Strukturschwache Regionen und marginalisierte Gruppen gezielt stärken: Das Programm „Demokratie leben!“ muss Engagierte und Organisationen in strukturschwächeren Regionen gezielt unterstützen. Die Stärkung von Selbstorganisationen marginalisierter und diskriminierungserfahrener Gruppen ist dabei verbindlich im Programm zu verankern.
Pluralität, Subsidiarität und Transparenz bei der Mittelvergabe müssen leitend sein: Ausschreibungen, Auswahl und Mittelvergabe müssen konsequent transparent und entlang fachlicher Qualität erfolgen.
Doppelstrukturen vermeiden: Abgrenzungs- und Zuordnungsfragen gegenüber anderen Förderinstrumenten sollten systematisch betrachtet werden.
Planungssicherheit für nachhaltige Bildungsarbeit gewährleisten: Nachhaltige Bildung erfordert verlässliche Rahmenbedingungen. Träger müssen ihre Projekte langfristig planen können; mehrjährige Perspektiven sind daher auch bei einjährigen Förderbescheiden sicherzustellen, damit aufgebaute Strukturen, Wirkungen und Wissen erhalten bleiben.
Über uns
Bundesausschuss Politische Bildung (bap) e.V.
Der Bundesausschuss Politische Bildung (bap) e.V. ist ein Zusammenschluss von 31 bundesweit tätigen Verbänden und Einrichtungen und repräsentiert die Vielfalt der politischen Bildungslandschaft in Deutschland. Diese Pluralität zeigt sich in der breiten Aufstellung seiner Mitglieder: Politische Bildung wird in Jugendverbänden, Bildungsstätten, Gewerkschaften, Kirchen, Volkshochschulen und Stadtteilinitiativen ebenso umgesetzt wie in parteilichen und verbandlichen Strukturen, Stiftungen, Betrieben und Projekten. Sie findet in Seminaren, im Rahmen beruflich-betrieblicher Weiterbildung, bei der Interessenvertretung und zunehmend in Zusammenarbeit mit der schulischen Bildung statt.
Gemeinsame Initiative der Träger politischer Jugendbildung (GEMINI)
Die „Gemeinsame Initiative der Träger Politischer Jugendbildung“ (GEMINI) vereint die bundesweit aktiven Träger der politischen Jugendbildung unter einem Dach und bildet eine Arbeitsgruppe im bap e.V. Gemeinsam repräsentieren sie rund 1.750 Einrichtungen, darunter Bildungsstätten, Akademien, Vereine und Volkshochschulen auf lokaler, regionaler und nationaler Ebene. Zudem kooperieren sie mit Partnern vor Ort, um aufsuchende Bildungsarbeit zu fördern und umzusetzen. Als starkes Netzwerk bietet die GEMINI eine zentrale Plattform für den fachlichen Austausch, die Qualitätssicherung, die Entwicklung innovativer Konzepte und die effektive Interessenvertretung im Bereich der politischen Jugendbildung.
Deutsche Vereinigung für Politische Bildung e.V.
Die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung e.V. ist ein überparteilicher und unabhängiger Zusammenschluss von Menschen, die in der politischen Bildung in Schule, Hochschule sowie der außerschulischen Jugend- und Erwachsenenbildung arbeiten. Wir begreifen uns als Partnerin, Beraterin und kritische Beobachterin öffentlicher Institutionen, die für politische Bildung verantwortlich sind. Uns eint das Interesse an einer vitalen Demokratie. Im Interesse mündiger Bürgerinnen und Bürger fördern wir gesellschaftliches Engagement. Zudem organisieren wir den Fachdiskurs der politischen Bildung. In Fragen der Bildungspolitik stehen wir in engem Austausch mit Parlamenten und zuständigen Ministerien von Bund und Ländern. Wir setzen uns für die Belange der Politiklehrer:innen sowie außerschulischen Bildner:innen ein.
Herzliche Glückwünsche an unseren Bundesvorsitzenden Prof. Dr. Alexander Wohnig zur Professur für die Didaktik der Sozialwissenschaften an der Universität Siegen. Zum festlichen Ereignis der Antrittsvorlesung unseres Bundesvorsitzenden an der Universität Siegen zum Thema „Ambivalenzen politischer Bildung“ waren wir vom Bundesvorstand der DVPB am 16. April 2026 erfreulicherweise eingeladen.
Ilka Hameister, Prof. Dr. Alexander Wohnig, Benedikt Widmaier und Christel Schrieverhoff (v.l.n.r)
Der Vertreter des Dekanats, Herr Prof. Dr. Christian Lahusen begrüßte die zahlreichen Gäste aus den verschiedenen Tätigkeits- und Lebensbereichen von Alexander Wohnig im mehr als vollbesetzten Saal des Uni-Campus Siegen und hob seine große Freude über den Eintritt von Alexander Wohnig in die Philosophische Fakultät sowie über das gewählte Format der Antrittsvorlesung in mehrfacher Hinsicht als sehr gewinnbringend für den UNI-Standort Siegen hervor. Schon seit 2012 war er in unterschiedlichen Funktionen am Seminar für Sozialwissenschaften zuletzt als Juniorprofessor aktiv und hat in besonderer Weise die Arbeit an der Fakultät fachlich und durch seine dialogische auf Teamarbeit ausgerichtete engagierte Vorgehensweise in der Gremien- und Forschungsarbeit sowie im Umgang mit den Studierenden menschlich sehr bereichert. Ebenso hob er die die Netzwerk- und Brückenbauerqualitäten hervor, die dazu geeignet sind das „Standing“ der Fakultät und die Didaktik der Sozialwissenschaften innerhalb der Universität Siegen und darüber hinaus qualitätsvoll auch durch die kreative Gewinnung von Drittmitteln, Forschungspartnerschaften, Verbändekooperationen etc. weiterzuentwickeln und so zur Demokratiestärkung durch politische Bildung beizutragen.
Mit dem gewählten Format der Antrittsvorlesung bot uns Alexander Wohnig folgenden inspirierenden Einblick in seine wissenschaftliche Forschungsarbeit:
Politische Bildung als Arbeit mit und für Ambivalenzen
In seiner Antrittsvorlesung mit dem Titel „Ambivalenzen politischer Bildung“ entfaltete Alexander Wohnig eine pointierte Zeitdiagnose eines Feldes, das gegenwärtig stark beansprucht, politisch aufgeladen und in seinem diskursiven Gebrauch zugleich begrifflich entleert erscheint. Statt in den Vordergrund zu stellen, was politische Bildung leisten soll, führte er dabei die Zuhörenden durch zentrale Diskursfelder, die exemplarisch sichtbar machen, was politische Bildung verdeckt, wenn sie zu rasch behauptet, bereits zu wissen, was sie ist.
Politische Bildung, so Wohnigs Diagnose, werde derzeit häufig in Form großer Eindeutigkeiten angerufen: Sie wirke, sie sei inklusiv, sie stärke Resilienz, sie beuge Extremismus vor. Dieser Duktus von Klarheiten sei zu problematisieren. Denn sie verschiebt die Aufmerksamkeit weg von jenen Konflikten, Spannungen und gesellschaftlichen Widersprüchen, aus denen politische Bildung ihre eigentliche Bedeutung gewinnt. Wo politische Bildung zu rasch als Lösung erscheint, droht sie den politischen Charakter der Probleme zu verlieren, auf die sie antworten soll.
Zentral ist Wohnigs Diagnose einer doppelten Bewegung: Die Funktion politischer Bildung wird politisiert (etwa als Extremismusprävention oder Demokratiesicherung), während ihre Inhalte zugleich entpolitisiert werden. Politische Bildung soll wirksam, förderlogisch nachweisbar und institutionell anschlussfähig sein; als Ort kontroverser Analyse gesellschaftlicher Macht-, Ungleichheits- und Herrschaftsverhältnisse tritt sie jedoch zurück. An Beispielen wie sozialer Erfahrung, Partizipation, Subjektorientierung, Inklusion, Nachhaltigkeitsbildung und digitalen Medien zeigt Wohnig, wie tief diese Ambivalenzen in zentrale Selbstverständlichkeiten des Feldes eingeschrieben sind. Daraus ergibt sich die Frage, ob politische Bildung gegenwärtig in etwas transformiert wird, das ihren Namen noch trägt, ihren kritischen Kern aber verliert.
Prof. Dr. Alexander Wohnig, Bundesvorsitzender der DVPB
Der Vortrag endete jedoch nicht kulturpessimistisch. Wohnigs Perspektive ist keine Absage an politische Bildung, sondern der Versuch, ihren Begriff aus ihren Ambivalenzen heraus neu zu schärfen. Politische Bildung erscheint dann als Arbeit an Widersprüchen: als Kritik der politischen Bildung selbst, als Kritik bestehender Verhältnisse und als Sozialkritik. Bildung beginnt dort, wo Eindeutigkeiten brüchig werden, wo Erfahrungen nicht einfach bestätigt, sondern befragt werden, wo Lernende Gründe haben, gesellschaftliche Handlungsprobleme zu ihren eigenen Lernproblemen zu machen.
Für die DVPB ist diese Perspektive von Bedeutung: Als Fachverband politischer Bildung steht sie schließlich nicht nur für die Interessenvertretung eines Unterrichtsfaches oder eines professionellen Feldes. Sie ist auch ein Ort, an dem die Grundfragen politischer Bildung öffentlich, kontrovers und fachlich verantwortet verhandelt werden und sie setzt sich zugleich dafür ein, dass diese Verhandlung auch im gesellschaftlichen und politischen Raum möglich bleibt. Denn demokratische politische Bildung darf Demokratie nicht nur bestätigen; sie muss auch fragen, wo demokratische Versprechen uneingelöst bleiben.
Für deine berufliche Zukunft wünschen wir dir gutes Gelingen auf dem Weg zur Stärkung der Demokratie durch politische Bildung und eine weiterhin spannende Lebensreise im Kreise deiner Weggefährt/innen. Ein besonderer Dank gilt auch dem Uni-Team von Alexander für die Willkommenskultur.
Ilka Hameister und Christel Schrieverhoff für den Bundesvorstand
Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere von Large Language Modellen, verändert gesellschaftliche Kommunikation und den Erwerb von Wissen in grundlegender Weise. Zugleich erzeugt KI – geprägt durch Daten, Verzerrungen und kreative Ableitungen – trotz fehlender Moral stets normative Effekte. Ohne die Folgen wirklich zu kennen, scheint schon jetzt sicher, dass KI politische Bildung nicht unberührt lässt. Im Zentrum des Themenschwerpunktes steht die Frage, wie demokratische Werte in der KI-Entwicklung gesichert und welches kritische Anwendungswissen für einen mündigen Umgang mit dieser Technologie notwendig wird.
Verantwortliche Redakteurin: JProf. Dr. Luisa Girnus
Hannah Ruschemeier: KI als Gefahr für die Demokratie?
Katharina Mosene: Wer denkt für wen? Kritisch-emanzipative Mündigkeit im Zeitalter algorithmischer Wissensproduktion
Ute Schmid: Werden wir durch KI dümmer und wie können wir das vermeiden?
Claudia Müller-Birn und Sandra Hofhues: Mehr Demokratie in der KI-Entwicklung!
Sebastian Ihle: KI-bezogene Digitalkompetenzen von Politiklehrkräften: Das Kompetenzmodell AI-PACK in der politischen Bildung
Impuls von Lydia Meyer: Vom Resonanzraum zur Echokammer. Wie digitale Gewalt den demokratischen Diskurs verzerrt
Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz (KI), insbesondere von Large Language Modellen, verändert gesellschaftliche Kommunikation und den Erwerb von Wissen in grundlegender Weise. Zugleich erzeugt KI – geprägt durch Daten, Verzerrungen und kreative Ableitungen – trotz fehlender Moral stets normative Effekte. Ohne die Folgen wirklich zu kennen, scheint schon jetzt sicher, dass KI politische Bildung nicht unberührt lässt. Im Zentrum des Themenschwerpunktes steht die Frage, wie demokratische Werte in der KI-Entwicklung gesichert und welches kritische Anwendungswissen für einen mündigen Umgang mit dieser Technologie notwendig wird.
Verantwortliche Redakteurin: JProf. Dr. Luisa Girnus
Hannah Ruschemeier: KI als Gefahr für die Demokratie?
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Ute Schmid: Werden wir durch KI dümmer und wie können wir das vermeiden?
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Sebastian Ihle: KI-bezogene Digitalkompetenzen von Politiklehrkräften: Das Kompetenzmodell AI-PACK in der politischen Bildung
Impuls von Lydia Meyer: Vom Resonanzraum zur Echokammer. Wie digitale Gewalt den demokratischen Diskurs verzerrt
Angriffe auf politische Bildung und die gezielte Instrumentalisierung der schulischen Bildung unter Bezugnahme auf ein vermeintliches Neutralitätsgebot nehmen systematisch zu. Als eine Antwort darauf haben wir gemeinsam mit der Bundesschülerkonferenz (BSK), der Bildungsgewerkschaft GEW, den Teachers for Future e.V., Greenpeace und den Eltern gegen rechts e.V. die Petition „Schule zeigt Haltung – Lehrkräfte stärken gegen Hass und Hetze“ gestartet, welche Rückendeckung von den zuständigen Ministerien und Schulaufsichtsbehörden fordert – in Form von klaren Leitlinien und Rechtssicherheit, Beratung sowie mehr Ressourcen zur Stärkung der politischen Bildung als Unterrichtsfach und Prinzip aller Fächer sowie als Teil demokratischer Schulentwicklung. Gemeinsam mit mehr als 250.000 Unterzeichnenden fordern wir:
Unsere Forderungen
Rechtliche Orientierung und Schutz bei Angriffen
Klare Leitlinien – du weißt, was du tun kannst
Beratung und Hilfe, wenn du angegriffen wirst
Fortbildung und Ressourcen für deinen Unterricht
Monitoring – Vorfälle ernst nehmen
Politische Bildung stärken
Demokratische Schulentwicklung fördern
Da wir nicht warten wollen, bist die bildungspolitischen Entscheidungsträger*innen Angebote für euch machen, haben wir uns zusammengetan und ausführliches Informationsmaterial in einer Broschüre zusammengetragern. Als Herausgeber*innen und beteiligte Organisationen eines Bündnisses sind wir uns einig: Lehrkräfte brauchen verlässliche Unterstützung, um ihren demokratischen Bildungsauftrag erfüllen zu können.
„Lehrkräfte, die sich für Menschenrechte und damit für den Schutz der Würde aller Menschen, den Schutz vor Diskriminierung und die Prinzipien einer demokratischen Gesellschaft wie Demokratie-, Rechtsstaats- und Sozialstaatsprinzip einsetzen, erfüllen ihren demokratischen Bildungsauftrag und bilden damit das Fundament für eine funktionierende freiheitliche und demokratische Gesellschaft. Ihr seid damit nicht allein! Wir stehen an eurer Seite.“
JProf. Dr. Steve Kenner, Bundesvorstand DVPB
Unsere Broschüre: Ziele, Prinzipien und Aufbau
Aus der Hinführung der Broschüre von Elina Stock (GEW):
Diese Broschüre richtet sich an Lehrkräfte und pädagogisches Personal. Sie bietet Orientierung bei Unsicherheiten und Konflikten im Schulalltag, klärt rechtliche Rahmenbedingungen, didaktische Leitlinien und vermittelt praktische Impulse für reflektiertes, professionelles Handeln. Sie ist kein Regelwerk mit starren Vorgaben, sondern ein Werkzeug im Schulalltag. Ihr Ziel ist es, Handlungssicherheit zu stärken und zu ermutigen, eine demokratische menschenrechtsorientierte Haltung einzunehmen – sachlich, fundiert und im Einklang mit dem staatlichen Bildungsauftrag. Das Bündnis – bestehend aus Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Greenpeace, Teachers for Future, Bundesschülerkonferenz und der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) – teilt ein klares Bekenntnis zu Demokratie, Menschenwürde und dem Schutz vor Diskriminierung. Uns verbindet der Anspruch, Lehrkräfte in ihrem demokratischen Bildungsauftrag zu bestärken. Dabei sind folgende Prinzipien handlungsleitend:
Haltung zeigen: Demokratische Werte sichtbar machen und leben.
Solidarität: Lehrkräfte stehen nicht allein; das Bündnis bietet Rück- und Zusammenhalt.
Unterstützung: Über Netzwerke, Fortbildungen, Beratung und rechtliche Hilfestellung werden Lehrkräfte individuell und kollektiv gestärkt und abgesichert.
Praxisnah vereint die Broschüre juristische sowie pädagogische Expertisen und kombiniert Hintergrundinformationen mit konkreten Handlungsempfehlungen. Im Kern finden sich Fragen und Antworten zu typischen Unsicherheiten im Umgang mit menschen- oder demokratiefeindlichen Positionen. Sie gibt Orientierung für schwierige Situationen anhand konkreter Fallbeispiele. Ergänzt wird dies durch Hinweise auf Unterstützungsangebote – von schulischen und gewerkschaftlichen Strukturen über Beratungsstellen bis zu Landeszentralen für politische Bildung und Landesdemokratiezentren.
Die Broschüre vermeidet Patentrezepte zugunsten von Information, Reflexion und Urteilsbildung. Somit bietet sie eine Grundlage für selbstbewusstes, entschiedenes und reflektiertes Handeln. Sie ermutigt, demokratische Werte sichtbar zu machen, sich einzumischen, Position zu beziehen und gleichzeitig professionell abgesichert zu bleiben. Damit leistet sie einen Beitrag, dass Schulen Orte bleiben, an denen demokratische Bildung nicht nur vermittelt, sondern gelebt wird. Sie versteht sich als Einladung: Demokratiebildung braucht Haltung – und Haltung entsteht im Miteinander, durch Menschen, die Verantwortung übernehmen, Fragen stellen, Beziehungen aufbauen und Räume für Beteiligung schaffen. Haltung zeigt sich nicht zuletzt im Mut, trotz Unsicherheit für demokratische Werte einzustehen.
Ansprechperson:
JProf. Dr. Steve Kenner, Zweiter Bundesvorsitzender, Mail: steve.kenner@dvpb.de
Inklusion als Ziel und Auftrag der politischen Bildung wird von allen anerkannt – aber unterschiedlich angegangen. Kann politische Bildung alle Zielgruppen gleichermaßen im Blick behalten oder benötigen wir unterschiedliche Perspektiven und Zugänge? Fördern wir mit spezifischen Markierungen von Zielgruppen und ihren Anforderungen nicht gerade die Ungleichheiten, die wir beseitigen möchten? Die Notwendigkeit, Schule und Bildung im Sinne der Inklusion neu zu denken und unser Verständnis von Politik zu erweitern, um Inklusion als Aufgabe politischer Bildung bewältigen zu können kristallisiert sich durch die Beiträge der Autor*innen.B.
Christian Fischer: „Inklusion im Politikunterricht: Ausgewählte Ansätze und Zugänge“
Johannes Jöhnck und Rahel Ladwig: „Politische Bildung für spezifische Zielgruppen – das Beispiel Lernende im sonderpädagogischen Schwerpunkt Geistige Entwicklung“
Dorothee Meyer und Jan M. Stegkemper: „Denkanstöße für ein inklusives Politikverständnis zur politischen Bildung für alle“
Anja Besand – Johannes Jöhnck und Christian Fischer: „Inklusion und politische Bildung – zwei Perspektiven“
Beate Rosenzweig, Julian Schärdel und Kristin Müller: „, Nicht ohne uns! ´ – Reden. Diskutieren. Entscheiden”
Künstliche Intelligenz und Entgrenzung der sozialen Medien – Herausforderungen für Demokratie, Gesellschaft und politische Bildung. Gewinnbringende Einblicke in die vielen Facetten der künstlichen Intelligenz und deren Herausforderungen und Chancen für Demokratie, Gesellschaft und politische Bildung.
Die DVPB-Herbsttagung 2025 fand vom 6. bis 8. November im idyllisch gelegenen Butenschoen-Haus in Landau statt. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem DVPB-Landesverband Rheinland-Pfalz durchgeführt, der damit gleichzeitig die 25. Tage der Politischen Bildung in Rheinland-Pfalz feierte. In den insgesamt sechsundzwanzig angebotenen Vorträgen und Workshops wurde die sehr aktuelle und zukunftsrelevante Thematik sowohl aus der schulischen und außerschulischen politischen Bildung, der Bildungspraxis sowie aus den fachwissenschaftlichen Bezugsdisziplinen beleuchtet. Dieser gelungene Mix trug sicher dazu bei, dass die verfügbaren 90 Plätze schon frühzeitig ausgebucht waren. Die folgenden drei gut gewählten Auftaktvorträge boten eine gute Klammer für die ganze Veranstaltung, da sie fundiert die Auswirkungen und Gefahren von Social Media für Politik, Gesellschaft und Kultur hinsichtlich Steuerung, Desinformation und Manipulation aufzeigten. Prof.in Dr.in Judith Möller (Leibniz-Institut für Medienforschung I Hans-Bredow-Institut) untersuchte in ihrem Eröffnungsvortrag die Frage „(Wie) wirkt Social Media auf Wahlentscheidungen und politische Regierungssysteme?“ Dabei wies sie auf die Möglichkeiten des „kollaborativen Filterns“ durch Algorithmen sowie die Optimierung des „Contents“ auf Social Media hin. Für die Short Video Services (YouTube Shorts, TikTok, Instagram Reels) sei das zentrale Ziel aktuell die Maximierung der Verweildauer auf der eigenen Plattform, während auf Facebook früher die Anzahl an Klicks zentral gewesen sei. Als zentrale Aufgabe beschrieb Möller den Schutz des Mediensystems, das die „Infrastruktur“ für die Gesellschaft und die Basis für die politische Urteilsfähigkeit in der Demokratie darstelle. Prof. Leo van Waveren (RPTU Kaiserslautern) nahm das Tagungsthema aus der Perspektive der Informatik in den Blick und stellte die grundlegende Frage: „Was ist und kann Künstliche Intelligenz?“ Während Künstliche Intelligenz im medialen Diskurs entweder als Weltuntergang oder als Allheilmittel beschrieben werde, sei die „Entmystifizierung“ von Künstlicher Intelligenz wichtig. Schließlich handele es sich, so führte er in Bezug auf die Definition des Europäischen Parlaments aus, bei Künstlicher Intelligenz um die „Fähigkeit einer Maschine, (…) menschliche Fähigkeiten zu imitieren“, ohne dass die KI diese Fähigkeiten selbst erlerne. Prof. Dr. Stephan Winter (RPTU Landau) blickte schließlich aus medienpsycholgischer Perspektive auf die Frage: „Wie wirken Social Media und KI aus psychologischer Sicht auf Individuen und Kollektive?“ Winter hinterfragte die öffentliche Diagnose von Social Media als „Radikalisierungsmaschine“. Mit Bezug auf die eigene Forschung zu kognitiven Verzerrungen gelangte er zum „vorläufigen Fazit“, dass Social Media je nach Zielgruppe spezifisch wirke und die vorschnelle Annahme allgemeiner Zusammenhänge nicht wissenschaftlich untermauert werden könne. Zugleich benannte er demokratisch problematische Auswirkungen wie die Verstärkung vorhandener Tendenzen und Polarisierungen. Es geht um den „Echtheitstest“ (L. van Waveren) bei der Benutzung von KI und dazu bedarf es der Fähigkeit des „Deep Learnings“ und des „Decodierens“ der durch die KI gelieferten Informationen durch Faktenanalysen, um die durch Social Media und KI bedingten psycholgischen Gefahren der kognitiven Verzerrungen und der Emotionalisierungen sowohl als Individuum als auch Kollektiv zu erkenne und zu reflektieren (S.Winter).
In der anschließenden Workshoprunde konnten die Teilnehmenden je nach ihren persönlichen Präferenzen zwischen den folgenden praxisorientierten Angeboten wählen und ihre Kompetenzen im Austausch diskursiv vertiefen: Vortrag: „ ,Okay, kann ich hier was anklicken?‘ – Medienethnographie digitalisierter Fortbildungsangebote“ Jana Ziel & Prof.in Dr.in Andrea Szukala (Uni Augsburg) Vortrag: Offener Code statt Black Box: Algorithmische Macht verstehen – Ein Design Research-Projekt zu TikTok, mit Python und unter KI-gestützter Entwicklung Dr. Christian Mühleis (PH Heidelberg) Vortrag: Künstliche Intelligenz: Revolution der internationalen Politik oder Risiko für globale Konflikte? Dr. Helge Batt (RPTU Landau) Vortrag: „Fachdidaktische Diskurse zu digitalen Medien ls Lerngegenständen in fachdidaktischen Zeitschriften der Fächer Deutsch und Sozialwissenschaften“ Prof. Dr. Alexander Wohnig & Jun.-Prof.in Dr.in Anna Hoffmann (Uni Siegen) Vortrag: „Welche Aufgaben hat politische Medienbildung im Kontext von LLMs? Gemeinwohl – Ökonomie – Instrumentalisierung“ Kai Löser (Wilhelm-Heinrich- Riehl-Kolleg Düsseldorf) Der erste intensive und sehr diskursive Tagungstag endete mit einem feierlichen und gemütlichen Beisammensein anlässlich des Silberjubiläums der Tage der Politischen Bildung, zu dem erfreulicherweise der rheinland-pfälzische Bildungsminister Herr Sven Teuber als Gast von Herrn Sauer begrüßt werden konnte. Teil des Abendprogramms war auch ein Kabarettbeitrag von Jens Neutag aus Berlin. In seinem Grußwort würdigte er die Arbeit insbesondere des Landesverbandes der DVPB zur Demokratiebildung und sagte seine weitere Unterstützung der schulischen und außerschulischen Politische Bildung zu.
Prof. Dr. Alexander Wohnig und StD Michael Sauer
Der zweite Tag startete mit dem Vortrag von Prof. Dr. Thorsten Thiel (Uni Erfurt) zum Thema „Digitalisierung – Eher problematisch oder eher unterstützend für die Demokratie?“ Prof. Thiel problematisierte zunächst die Fragestellung selbst, schließlich führe die Pro-Contra-Polarität leicht zu einem falschen Gleichgewicht und zur Suggestion einer individuell lösbaren Problemstellung. Stattdessen seien „konkrete Kontexte demokratischer Veränderung“ zu fokussieren, wobei das jeweilige Demokratieverständnis differenziert und expliziert werden müsse. Dabei differenzierte er zwischen realen Gefahren durch Desinformation oder personalisierte Assistenzsysteme, wie die Schwächung einer pluralistischen Informationslandschaft und überschätzten Gefahren wie „Filterblasen 2.0“ durch KI und Social Media, deren Existenz sozialwissenschaftlich islang nicht ausreichend belegt werden konnte. Abschließend nahm Prof. Thiel die Evolution des Politikfelds „Digitalpolitik“ in den Blick und die zunehmend stärker gewordene Bedeutung des Staates im Zuge „digitaler Souveränität“. Er stellte zum einen die vielfachen Nutzungsmöglichkeiten der digitalen Medien zur Informationsbeschaffung heraus und zum anderen die Gefahren hinsichtlich Fakes. Die folgenden beiden Workshoprunden thematisierten vom Tagungsthema ausgehende mediendidaktische fachwissenschaftliche, fachdidaktische und unterrichtspraktische Fragestellungen und boten dazu verschiedene von den Workshop-Leitungen erprobte gelungene Lösungsansätze für den Fortbildungsbereich der Politiklehrkräfte und der Unterrichtspraxis an. Besonders zum Nachdenken regte Dr.in Alina Gales (TU München) in ihrem Vortrag „Fördern KI und Social Media Diskriminierungsprozesse in unserer Gesellschaft?“ an, da sie hinsichtlich der digitalen ouveränität deutlich die auf die Probleme der Wahrheitsfindung durch Bias und kulturpezifische Ausrichtungen der trainierten KI durch Diskriminierungen/ potenzielle Desinformationen und Deepfakes verwies. Sie sprach vom Problem eines „neuen Kolonialismus“ im Kontext des Datenkapitalismus. Deshalb forderte sie Mitbestimmungsrechte und digitale Reglementierungen, um Machtstrukturen und Exklusionsmechanismen entgegenzuwirken, damit KI-gestützte Anwendungen und soziale Netzwerke nicht zu bestehenden oder neuen Ungleichheiten beitragen. Der zweite Tag endete mit einem Stadt-Spaziergang entlang der Orte der Landauer Demokratiegeschichte, angeboten von Thomas Handrich.
Am Samstag bereicherten weitere praxiserprobte Angebote zum kritischen Umgang mit Verschwörungstheorien, KI und Desinformation wie die Vorstellung des Makerspaces als innovatives Lernarrangement zur Stärkung digitaler Kompetenzen die Tagung für die Teilnehmenden. Ergebnisse/Learnings der Tagung Da Digitalpolitik immer Demokratiepolitik (Prof. Thiel) ist, bestand bei den Teilnehmenden große Einigkeit hinsichtlich der Notwendigkeiten von staatlichen und internationalen Regulierungsmechanismen zur Wahrung der Individual- und Kollektivrechte und zur Verhinderung von Manipulationen und Diskriminierungen. Aufgabe der Politischen Bildung in diesem Transformationsprozess ist es durch vielfältige Zugänge und Methoden einen kritisch-reflektierten Umgang mit Social Media und KI als Gegenstand und Methode zu ermöglichen, um so die Demokratiebildung zu fördern. Denn die Erhaltung der digitalen Souveränität erfordert kritisches Bewusstsein und Urteils- bzw. Handlungsfähigkeit. Dazu wurden in den verschiedenen praxisorientierten Workshops zahlreiche erprobte innovative Beispiele wie der Makerspaces für die schulische und außerschulische politische Bildung oder eines Serios Games wie „Mission Ganymed“ geliefert, sodass alle Teilnehmenden sehr zufrieden mit vielen neuen Ideen und Erkenntnissen im Gepäck den Heimweg antreten konnten.
Wir bedanken uns herzlich bei dem Landesverband Rheinland-Pfalz und insbesondere bei dem DVPB-Landesvorsitzenden Herrn StD Michael Sauer für die Organisation und Moderation der Tagung. Er sorgte dafür, dass alle Vortragende als Wertschätzung eine Flasche Pfälzer Wein zur Erinnerung an die Tagung in der Pfälzer Region zu Hause genießen konnte. Unser weiterer Dank gilt: Frau Dr. Anja Diesel und dem ganze Team vom Butenschoenhaus sowie dem Erziehungswissenschaftlichen Fort- und Weiterbildungsinstitut der evangelischen Kirchen in Rheinland-Pfalz) (EFWI) für die Gastfreundschaft, die Organisation vor Ort und die kulinarische Versorgung, die allen in positiver Erinnerung bleiben wird. Der Bundeszentrale für die finanzielle Förderung und insbesondere Herrn Dr. Peter Zorn. Dem DVPB- Vorsitzenden Prof. Dr. Alexander Wohnig und den weiteren Mitgliedern des DVPB Vorbereitungs- und Durchführungsteam wie Prof.in Dr.in Andrea Szukala, Joshua Hausen und Dana Grebner.
Da sich die kooperative Ausrichtung der 2–3-tägigen DVPB-Herbsttagungen mit jeweils einem Landesverband wieder als sehr erfolgreich erwiesen hat, wird die nächste Herbsttagung zum Thema: Soziale Ungleichheit(en) in der Demokratie und der politischen Bildung 2026 in Kooperation mit dem Landesverband NRW vom 19. bis 21.November 2026 an der Universität Siegen – Seminarzentrum Campus Unteres Schloss stattfinden.
Tagungsbericht: Christel Schrieverhoff und Andreas Schlattmann, DVPB NW
Vor 60 Jahren wurde die Deutsche Vereinigung für Politische Bildung (DVPB e.V.), die größte Interessensvertretung für politische Bildner*innen in Deutschland, gegründet. Dies nahm der Bundesvorstand zum Anlass, zur Abendveranstaltung „Politische Bildung zwischen Konvention und Transformation“ zu laden, welche in diesem Heft dokumentiert wird. Themen sind die Rolle der politischen Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Politiklehrer*innen. Darüber hinaus gibt es einen Rückblick auf die verbandspolitische Arbeit der DVPB.
Alexander Wohnig: „Zur Rolle politischer Bildung in einer demokratischen Gesellschaft in Zeiten gesellschaftlicher Transformation“
Martina Tschirner: „60 Jahre DVPB – 60 Jahre verbandspolitisches Engagement für die politische Bildung – ein Blick zurück und nach vorne!“
Gudrun Heinrich im Gespräch mit Karim Fereidooni, Susann Gessner, Steve Kenner und Monika Oberle „Politische Bildung – Bildungsauftrag in einer Demokratie im Wandel“
Gabi Elverich und Friedemann Gürtler: „Politiklehrer*in sein heute – herausfordernd wie nie?!“